Der CloudFisher

Methoden und Techniken zur Wassergewinnung entwickeln und bereitstellen

Bei der Erschließung neuer Wasserressourcen hat die Gewinnung von Trinkwasser aus Nebel inzwischen weltweit besondere Bedeutung erlangt. Bereits seit über zehn Jahren setzt sich die WasserStiftung für den Einsatz von Nebelkollektoren ein. Um zu erforschen, wie diese Methode zu einer für alle Wetterbedingungen verlässlichen Quelle für sauberes Wasser verbessert werden könnte, hat die WasserStiftung im November 2013 im Antiatlas-Gebirge in Marokko eine Testanlage errichtet. Sie sollte entscheidende Erkenntnisse über die beste Konstruktion und die ertragreichsten Gewebe für Nebelkollektoren liefern. Das Ergebnis der mehrjährigen Entwicklungsarbeit des Münchner Industriedesigners Peter Trautwein* ist ein komplett neuer Nebelfänger: Der CloudFisher ist der erste serienmäßige Nebelfänger, der hohen Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h standhält. Schnell und unkompliziert lässt er sich montieren, benötigt keine Energie und ist extrem wartungsarm. Alle verwendeten Materialien sind lebensmittelecht. Dank seines Leistungsvermögens garantiert der CloudFisher unzähligen Menschen kostengünstig hochwertiges Trinkwasser, das WHO-Standard entspricht. Allein die über 2.000 Meter hohe Maakel Region in Eritrea könnte auf diese Weise umfangreich versorgt werden. Das gewonnene Wasser kann zudem in der Landwirtschaft und für Viehzucht, für Aufforstungsprojekte und kommerzielle Zwecke genutzt werden. Mögliche Einsatzgebiete für den CloudFisher sind trockene Gebirgs- und Küstenregionen mit hohem Nebelaufkommen wie z.B. in Äthiopien, Australien, Chile, Eritrea, Iran, Kolumbien, Marokko, Namibia, Oman, Nepal, Nordamerika, Peru, Spanien, Südafrika, Tansania oder im Yemen.

Wie funktionieren Nebelnetze?

Der Wind drückt den Nebel durch das senkrecht stehende Netz. Kleinste Tröpfchen bleiben an dem Gewebe hängen und vereinen sich zu großen Tropfen. Diese laufen durch die Schwerkraft nach unten in die Auffangrinne. Von dort fließt das Nebelwasser durch Leitungen in ein Reservoir. Je nach Region und Jahreszeit liegt die tägliche Wasserausbeute zwischen sechs und vierzehn Liter pro Quadratmeter. Weiterlesen

Aber auch zu Monsunzeiten, die nach der Nebelsaison von November bis Juni z.B in Eritrea folgt, dienen die Gewebe zur Wassergewinnung, ergänzt durch horizontal angebrachte Polyethylenplatten. Das gewonnene Regenwasser kann je nach Reinheit als Trinkwasser oder für die Landwirtschaft und zum Tränken von Vieh verwendet werden.Jedes Nebelprojekt beginnt mit einer meteorologischen Datenerfassung zur Windgeschwindigkeit und Windrichtung, zur relativen Luftfeuchtigkeit und Temperatur, zu Niederschlägen und zur gesammelten Wassermenge. Mit diesen Erkenntnissen wird entschieden, ob sich der Standort zur Wassergewinnung aus Nebel lohnt und wie die optimale Ausrichtung der Kollektoren zum Wind wäre. Was aber, wenn keine finanziellen Mittel für Messgeräte und technisches Know-how vorhanden sind? Welche Maßnahmen müssen getroffen werden, dass sich die Menschen selber helfen können und sich somit unabhängig machen?

CloudFisher Mini

für private Haushalte, Testkollektor
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CloudFisher Pro

Die großflächigen Nebelfänger sind einsetzbar für Dörfer, Schulen, Industrie, Land- und Forstwirtschaft.
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CloudFisher – Trinkwassergewinnung aus Nebel in Marokko

Im Frühjahr 2016 genehmigte das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) unseren Antrag zur Förderung der zur Zeit größten CloudFisher-Anlage  (1.590 m2) der Welt am Mount Boutmezguida (1225 ü.d.M.), im Antiatlas-Gebirge in Marokko. Weiterlesen

Ab Frühjahr 2016 bis Ende 2018 können wir dank mehrerer Hundertausend Euro Fördersumme insgesamt 14 Dörfer mit sauberem Trinkwasser aus Nebel versorgen, begleitet von Bildungsmaßnahmen, die vor allem Frauen und deren Kindern zugutekommen. Zur Erbringung von 25% Eigenkapital wird die WasserStiftung bei diesem Projekt großzügig von der Münchener Rück Stiftung und vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches unterstützt. Die Stiftung Dar Si Hmad, die seit vielen Jahren in der Region Aït Baamrane mit Wasser- und Bildungsprojekten tätig ist, ist unser Projektträger vor Ort.

Die betroffene Region Aït Baamrane, im Antiatlasgebirge nahe der Stadt Sidi Ifni gelegen, grenzt an die Sahara und zählt wegen ihres semiariden Klimas zu den trockensten Gebieten Marokkos. Seit Jahren nimmt die Dürre zu, die Wüste breitet sich immer weiter aus und der Grundwasserspiegel sinkt kontinuierlich.

Die Dörfer an den Hängen des Mount Boutmezguida sind durch schlechte Straßen miteinander verbunden. Hier leben indigene Berber Gruppen von Subsistenzwirtschaft: Bienenzucht, vereinzelt Weizenanbau, Gerste, Ziegen, Hühner. Zur Verbesserung der Lebensumstände versuchen die Männer in der Stadt Arbeit zu finden.In Folge werden über viele Monate im Jahr die Dörfer nur von Frauen, ihren Kindern und alten Menschen bewohnt. Die Verbesserung der Nutzwasser- und Trinkwasserversorgung ist dringend notwendig. Das Regenwasser, das in kleinen Hauszisternen aufgefangen wird, dient der Viehtränke und zum Kochen. Doch reicht es oft nicht aus, und täglich müssen lange Wegstrecken von Mädchen und Frauen bis ins Tal zurückgelegt werden, um dort kommunales Brunnenwasser zu kaufen. Die Brisanz der Lage zeigt sich in einer Analyse des Brunnenwassers, die erhöhte gesundheitsgefährdende Uran-Werte nachgewiesen hat. Die CloudFisher-Anlage liefert für mindestens 660 Menschen – die meisten sind Frauen, Kinder und alte Menschen – und für eine Schule Trinkwasser sowie Wasser für den landwirtschaftlichen Anbau und für ungefähr 7000 Nutztiere. Das gewonnene Nebelwasser hat Trinkwasserqualität nach WHO-Standard. Vier Zisternen am Berg garantieren die Wasserversorgung bis weit in die Trockenzeit. Dank der Nebelkollektoren können bis 18l Wasser pro Tag pro Familienmitglied konstant zur Verfügung stehen. Für was die Familie das Wasser verwendet, das sie nicht für den Hausbedarf braucht, bleibt ihr überlassen: für die Viehtränke oder für die Bewässerung von kleinen Anbauflächen. Durch die verbesserte Wassersituation und der damit verbundenen neuen Erwerbsmöglichkeiten kehren einige Männer bereits wieder zurück in ihre Dörfer.

Das Projekt wird großzügig vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert sowie von der Münchener Rück Stiftung und vom Deutschen Verein der Gas- und Wasserwirtschaft (DVGW) unterstützt. Unser Projektpartner vor Ort ist die NGO Dar Si Hmad, unter der Leitung von Dr. Jamila Bargach.
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Über Aqualonis

* Die Aqualonis GmbH hat für die WasserStiftung den CloudFisher Pro und CloudFisher Mini entwickelt. Um diese Technik weltweit für kommerzielle und gemeinnützige Vorhaben einzusetzen, wurde die Aqualonis GmbH mit Sitz in München gegründet. Als Lizenznehmerin der WasserStiftung vermarktet und vertreibt die Gesellschaft CloudFisher-Anlagen. Aqualonis entwickelt, plant, errichtet und wartet Wassergewinnungsanlagen für Nebel. Es handelt sich um ein Geschäftsfeld, für das die gemeinnützige WasserStiftung nicht ausgelegt ist und nicht haften kann.
www.aqualonis.de

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